Von Isabel Watta
Ich war Debütantin: bei der Jahrestagung des Bundes alt-katholischer Frauen – kurz baf – vom 30. Oktober bis 2. November. "Debütantin“ ist die freundliche und liebevolle Bezeichnung für "eine Neue“, die erstmalig nach Neustadt an der Weinstraße kam zum jährlichen Treffen von über 70 Frauen aus der ganzen Bundesrepublik und auch aus Österreich.
Und obwohl ich allein anreiste und wegen einer ungünstigen Verkehrslage verspätet im Kloster Neustadt/Weinstraße ankam, fühlte ich mich keinen Moment fremd oder getadelt, sondern vom ersten Augenblick an willkommen und aufgenommen. Schließlich waren alle Frauen hier, um gemeinsam dem Thema der Veranstaltung nachzuspüren: „Was Gott in uns träumt“.
Wir fanden – nach dem Abendessen – Platz in einem riesigen Stuhlkreis entlang der Wände eines großen Raums, der für die nächsten Tage unsere Basis wurde und je nach Anlass sein Gesicht wechselte: Kreativ-Raum für Bibliodans, Zentrum für achtsames Hineinspüren und Nachdenken, Versammlungsort und Wahllokal, Theaterbühne, Diskothek und nicht zuletzt Raum für einen Gottesdienst.
Es dauerte nur Minuten und wir waren hinaus über Small-Talk und mittendrin in persönlichen Gesprächen über Fragen, die uns bewegen, angeregt durch den immer präsenten Impuls: Was träumt Gott in mir? Wie ein roter Faden zog sich diese Frage durch alle Workshops, Tätigkeiten, Gebete, Gesänge – ach ja, das Singen und Musizieren! Allein darüber könnte ich seitenlang ins Schwärmen geraten…
Am nächsten Morgen hatten wir einen Gast aus den Niederlanden: Leonie van Straaten, die in der Nähe von Eindhoven in einer christlichen Kommune lebt, erkundete mit uns das Thema durch intuitives Bewegen. Unter dem Motto „Tanzen kann jede“ führte sie uns in den Bibliodans ein, eine Methode, bei der ein Bibeltext mit dem Körper erfahrbar wird, bevor der Kopf später darüber nachdenken darf. In unterschiedlichen Workshops vertieften wir unsere Erfahrungen vom Vormittag, malend, schreibend, wandernd und singend, bewegt und meditierend oder handwerklich kreativ.
Doch bei der Tagung ging es nicht nur um persönliche Erfahrungen und den eigenen Glauben. Das wurde mir spätestens am darauffolgenden Tag klar. Diese Auseinandersetzung mit dem, was wir denken, fühlen und träumen, ist die Basis, die alle Tätigkeiten und Aktionen des baf trägt. Voller Staunen erfuhr ich, dass der Bund alt-katholischer Frauen – so modern er daherkommt – keine neue Vereinigung ist, sondern auf eine über hundertjährige Tradition zurückblickt. Der baf ist durch unterschiedliche seelsorgerische und karitative Aktionen für Frauen vor Ort da. Außerdem engagiert er sich in verschiedenen ökumenischen Bereichen wie dem Weltgebetstag, dem Christinnenrat und dem Ökumenischen Forum christlicher Frauen Europas, kurz ÖFCFE. Und plötzlich erkannte ich, dass diese Energie, die unter uns entstanden war, der Motor ist für Aktionen, die über Landesgrenzen und innerkirchliche Angelegenheiten weit hinausgehen. Es war ein überwältigendes Gefühl!
Bei der Hauptversammlung – in diesem Jahr mit der Wahl des Vorstandes – wagten wir auch einen Blick in die Zukunft. Nicht nur, was Gott in uns träumt, sondern auch: Was erträumen wir für den baf in den nächsten Jahren? Wie wollen wir miteinander kommunizieren (Stichwort „Gewaltfreie, bzw. verbindende Kommunikation“)? Wo sind wir verankert, wenn wir etwas bewegen wollen? Welche Schritte braucht es, damit wir (noch) sichtbarer werden?
Abschließend nahmen wir alle diese Gedanken und Anregungen in einem Gottesdienst auf, bevor wir erfüllt und dankbar wieder in unsere Heimatorte zurückkehrten.
Was habe ich nun mitgenommen aus 68 Stunden baf-Jahrestagung? Zunächst einmal: Ich will wiederkommen – nächstes Jahr nicht als Debütantin, sondern als eine von denen, die dann die Neulinge warmherzig in Empfang nehmen. Darüber hinaus habe ich die Zeit als eine Inspirations- und Kraftquelle empfunden, die mich noch weit in den Alltag hinein getragen hat. Die Tagung hat mir gezeigt, wie viel Frauen erreichen können, wenn jede ihre Stärken einbringen kann. Meine Schwächen waren kein Hindernis, sondern wurden durch die Stärken anderer Frauen aufgefangen. So ist etwas entstanden, das größer ist als die Summe der Einzelteile.
Unter dem Motto"Was Gott in uns träumt“ haben wir uns mit rund 70 Frauen aus ganz Deutschland zur Jahrestagung der Alt-Katholischen Frauen getroffen. Schon die persönliche Begrüßung jeder einzelnen Frau hat gezeigt, dass diese Tage Raum schenken sollten – für Begegnung, Tiefe und gemeinsames Wachsen im Glauben.
Unsere Tagung war geprägt von spiritueller Tiefe und einem achtsamen Miteinander. Besonders berührend war der Bibliodans zum Traum von der Himmelsleiter: Durch Bewegung, Tanz und Körpererfahrung konnten wir mit Leonie van Straaten die biblische Geschichte auf neue, lebendige Weise erfahren und uns selbst im Glauben spüren.
Morgendliches Schweigen und die Morgenandachten haben uns eingeladen, den Tag bewusst zu beginnen und in die eigene Mitte zu kommen. Ein weiterer Schwerpunkt war die Gewaltfreie Kommunikation (GFK): In Anknüpfung an die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt haben wir erste Schritte in unserem "Wirkfeld Kommunikation“ unternommen und neue Wege des achtsamen Miteinanders erkundet.
In der Hauptversammlung haben wir einen neuen Vorstand gewählt und gleichzeitig Brigitte Glaab geehrt und verabschiedet, die viele Jahre als Frauenseelsorgerin unsere Gemeinschaft mit Herz, Engagement und spiritueller Tiefe bereichert hat.
Beim bunten baf-Feierabend konnten wir gemeinsam lachen, feiern und die Gemeinschaft genießen. Den Abschluss bildete ein bewegender Gottesdienst: Ein Klangteppich der Gottesnamen und ein Segensritual für den neuen Vorstand machten spürbar, wie sehr Gott in uns und unter uns geträumt hat.
Lydia Ruisch